Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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5.12.2019

Vom heiligen Martin, seinem Mantel und der Gans

von Torsten Lüdtke

Am 11.11. ist Martinstag. Besonders die Kleinen und Kleinsten wissen das, denn seit Wochen freuen sie sich auf "ihren" Umzug mit den selbstgebastelten Laternen. Doch sind es nicht nur die Kinder, die mit diesem Tag etwas verbinden: Viele können sich vielleicht erinnern, dass an diesem Tag etwas Besonderes zum Essen gab oder auch noch gibt: die sprichwörtlich gewordene "Martinsgans". – Alles das hat mit jenem Martin zu tun, der in einer kalten, stürmischen Winternacht seinen Mantel mit einem armen Bettler teilte...

St. Martin

Viele Legenden des Mittelalters berichten von ihm, dem mild- und wundertätigen Bischof von Tours. So erzählt die Legenda aurea des Jacobus de Voragine:

"Martinus ist zu Pannonien geboren von der Stadt Sabaria, doch ward er erzogen zu Pavia in Italien. Sein Vater war der Ritterschaft Meister, mit dem kämpfte er unter den Kaisern Julianus und Constantinus, doch nicht von eigenem Willen, denn er war von seiner Jugend auf voll göttlicher Gnaden. Es geschah an einem Wintertag, dass er ritt durch das Tor von Amiens, da begegnete ihm ein Bettler, der war nackt und hatte noch von niemandem ein Almosen empfangen. Da verstund Martinus, daß von ihm dem Armen sollte Hilfe kommen; und zog sein Schwert und schnitt den Mantel, der ihm allein noch übrig war in zwei Teile, und gab die eine Hälfte dem Armen, und tat selber das andere Teil wieder um. Des Nachts darnach sah er Christum für ihn kommen , der war gekleidet mit dem Stücke des Mantels, das er dem Armen hatte gegeben. Und der Herr sprach zu den Engeln, die um ihn stunden, 'Martinus, der noch nicht getauft ist, hat mich mit diesem Kleide gekleidet'."

Martin, so wird weiter erzählt, ließ bald danach taufen, verließ den Ritterstand und lebte asketisch als Priester. Später unternahm er Missionsreisen durch Gallien und gründete das erste französische Kloster.

Doch wird Martin auf nicht nur mit dem geteilten Mantel dargestellt; vielfach wird auch eine Gans an seiner Seite gezeigt. Diese Art der Darstellung geht auf Quellen zurück, die von der Wahl des Heiligen zum Bischof von Tours berichten: Martin, den das Volk zum Bischof bestimmt hatte, wollte das Amt nicht antreten und entschloß sich zur Flucht aus dem Bischofspalast. Die Bewohner der Stadt hatten aber die Flucht Martins bemerkt und folgten ihm. In seiner Not lief Martin, hinter sich die Verfolger wissend, zu einem Stall, der ruhig und unverschlossen vor ihm lag. Er sah sich gerettet – doch kaum hatte er sich ermüdet vom Weg niedergelassen, als ohrenbetäubendes Geschnatter vieler Gänse den Bürgern von Tours seine Anwesenheit verriet. Diese waren erstaunt, ihren Bischof hier zu finden. Nun konnte sich Martin nicht mehr weigern, doch zur Strafe – so wird berichtet – habe er das geschwätzige Gänsevolk in seiner Küche braten lassen ...

Doch nicht nur der Gänsebraten der zum Gedächtnistag Martins am 11. November verzehrt wird, macht die Bedeutung des Martinstages, der als einer der ersten Festtage für Heilige gilt, aus. Er hatte darüberhinaus auch andere Funktionen: An Matini – so wurde der Tag auch genannt – wurden Warenmessen und Jahrmärkte gehalten, bäuerliche Abgaben in Naturalien wurden fällig, aber es begann auch die vor dem Weihnachtsfest liegende Fastenzeit, die mit üppiger Schmauserei – eben wieder Gänsebraten – begonnen wurde.

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