Evangelische Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf > Geschichte > Pfarrer > Ulrich Muhs

18.8.2019

Ulrich Muhs
Pfarrer und Heimatforscher

Auf dem Kirchhof am Ostpreußendamm, kurz vor dem Eingang zur Dorfkirche liegt die Grabstelle des Heimatforschers und Gemeindepfarrers Ulrich Muhs, dessen Wirken untrennbar mit der Geschichte von Lichterfelde verbunden ist.

Am 22.Juli 1868 als Sohn des Lehrers Johann Muhs in Premslin (Prignitz) geboren, besuchte der auf den Namen Ernst Friedrich Ulrich Muhs Getaufte das Gymnasium zu Neustrelitz und studierte Theologie an der Berliner Friedrich-Wilhelms- Universität. Nach der Ordination am 8. November 1896 war Muhs zunächst Hilfsprediger in Köpenick, um von dort 1897 nach Lichterfelde, dem "aufstrebenden Villenvorort zwischen Potsdamer und Anhalter Bahn", berufen zu werden.

Dort hatte er seit dem 1. April 1899 die dritte Lichterfelder Pfarrstelle inne, die nicht nur die, in den Jahren 1897-98 neu errichtete Petruskirche, sondern auch bis 1913 die alte Giesensdorfer Dorfkirche als Predigtstätte umfing. Als Wohnung diente ihm dabei auch das alte Pfarrhaus in Giesensdorf – heute ein Teil des Gemeindehauses am Ostpreußendamm.

Auch nach seiner Heirat mit Gertrud Busse im Juli 1901 blieb Muhs noch im alten Pfarrhaus, dessen mit Linden bewachsener Garten für den Pfarrer und Heimatforscher Muhs besonders idyllisch und anregend war: So entstanden hier nicht nur seine Predigten, sondern auch das erste heimatgeschichtliche Werk, das 1904 erschienene Büchlein "Aus der Vergangenheit von Giesensdorf und Lichterfelde".

In dem schmalen, seinem Vater gewidmeten Bändchen beschreibt Muhs das Werden und die Entwicklung Giesensdorfs und Lichterfeldes bis 1807; dabei dienten ihm vor allem die Kirchenbücher der Gemeinden als Quellen. 1910 erscheint als Fortsetzung "Giesensdorf und Lichterfelde in der Franzosenzeit".

Im Jahre 1913 konnte das Ehepaar Muhs endlich das fertiggestellte Pfarrhaus in der Kiesstraße im Herzen des blühenden Villenvororts – zwischen Levkojen- und Georginenrabatten gelegen – beziehen. Doch blieben weitere, von der Gemeinde und Pfarrer Muhs vorangetriebene Projekte, wie das (ebenfalls in der Kiesstraße geplante) Gemeindehaus und die – besonders von Muhs – gewünschte reichere Innenausmalung der Petrus-Kirche wegen des Kriegsausbruches 1914 unverwirklicht.

Während des I. Weltkrieges war Muhs auch Seelsorger der sich im Felde befi ndenden Lichterfelder, so entstanden theologische Broschüren und das Werk "Aus der Heimat für die Heimat" (1915), die als "Liebesgaben für unsere Frontkämpfer" gedacht waren.

Nach dem Zusammenbruch 1918 kommt 1919 Muhs' Hauptwerk "Lichterfelde einst und jetzt. Ein Heimatbuch" in kleiner Aufl age und auf schlechtem Papier gedruckt, heraus. Das Nachwort gibt einen Einblick in eine scheinbar ausweglose Situation der Umwälzung und des Chaos:

"Das Buch erscheint in dunkler Zeit. Aber es kann und will ein Buch der Aufrichtung sein. Die Geschichte ist dazu da, daß wir an ihr lernen [...]. So wäre es mir noch eine besondere Freude, wenn auch die Vertiefung in dieses Büchlein manchem in der Gemeinde Mut machen würde, mit aller Kraft weiter zu schaffen unter der Losung: Über Gräber vorwärts einer neuen, großen, lichten Zukunft entgegen!"

Wenige Jahr später, Mitte der zwanziger Jahre, konnten die ruhenden Projekte wiederaufgenommen werden: die Petruskirche erhielt endlich die gewünschte, reichere Ausmalung und auch die Pläne, ein Gemeindehaus zu errichten, wurden in die Tat umgesetzt. Zwar konnte das Gemeindehaus nicht in der Kiesstraße gebaut werden, doch bot sich in der Parallelstraße ein ausreichender Bauplatz, so daß 1930 schließlich auch das Gemeindehaus eingeweiht werden konnte.

Nach 37 Jahren Amtszeit in Lichterfelde wurde Pfarrer Muhs 1935 in den Ruhestand versetzt; für den Lichterfelder Lokalanzeiger schrieb er die Artikelreihen: "Berlin-Lichterfelde – seine Anlagen und seine Anstalten" und "Aus dem Leben bekannter Persönlichkeiten in Lichterfelde"; weitere kleinere Publikationen folgten. Seine Worte, am Schluß seines Heimatbuches "Lichterfelde einst und jetzt" stehend, können als sein Vermächtnis gelten:

"Ich grüße den, der sich von mir führen ließ. Ich grüße ihn mit großer Freude, wenn das Empfinden in ihm wach geworden ist: Der Weg, den ich geführt wurde, lohnte sich. Er darf versichert sein: Ihm ist der Weg leichter geworden als mir, der ich durch die Arbeit vieler Jahre mir erst den Weg bahnen mußte. Ich grüße ihn mit dankbarer Genugtuung, wenn auf dieser Wanderung der Wille in ihm sich gestärkt hat: Ich will nun meine Heimat noch lieber haben."

Am 10.10. 1942 ist Ulrich Muhs gestorben, die Zerstörung großer Teile Lichterfeldes und der Giesensdorfer Dorfkirche, an der sein Herz besonders hing, hat er nicht mehr erlebt. Auf dem alten Giesensdorfer Friedhof hat er dann auch, neben seiner Frau, seine letzte Ruhe gefunden.

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