Ulrich Muhs
Pfarrer und Heimatforscher
Auf dem Kirchhof am Ostpreußendamm,
kurz vor dem Eingang zur Dorfkirche
liegt die Grabstelle des Heimatforschers
und Gemeindepfarrers Ulrich
Muhs, dessen Wirken untrennbar mit der
Geschichte von Lichterfelde verbunden
ist.
Am 22.Juli 1868 als Sohn des Lehrers
Johann Muhs in Premslin (Prignitz)
geboren, besuchte der auf den Namen
Ernst Friedrich Ulrich Muhs Getaufte das
Gymnasium zu Neustrelitz und studierte
Theologie an der Berliner Friedrich-Wilhelms-
Universität. Nach der Ordination
am 8. November 1896 war Muhs zunächst
Hilfsprediger in Köpenick, um
von dort 1897 nach Lichterfelde, dem
"aufstrebenden Villenvorort zwischen
Potsdamer und Anhalter Bahn", berufen
zu werden. Dort hatte er seit dem 1.
April 1899 die dritte Lichterfelder Pfarrstelle inne, die nicht nur die, in den Jahren
1897-98 neu errichtete Petruskirche, sondern auch bis 1913 die alte Giesensdorfer
Dorfkirche als Predigtstätte umfing. Als Wohnung diente ihm dabei auch das alte
Pfarrhaus in Giesensdorf – heute ein Teil des Gemeindehauses am Ostpreußendamm.
Auch nach seiner Heirat mit Gertrud Busse im Juli 1901 blieb Muhs noch
im alten Pfarrhaus, dessen mit Linden bewachsener Garten für den Pfarrer und Heimatforscher
Muhs besonders idyllisch und anregend
war: So entstanden hier nicht nur seine Predigten, sondern
auch das erste heimatgeschichtliche Werk, das
1904 erschienene Büchlein "Aus der Vergangenheit
von Giesensdorf und Lichterfelde". In dem schmalen,
seinem Vater gewidmeten Bändchen beschreibt Muhs
das Werden und die Entwicklung Giesensdorfs und
Lichterfeldes bis 1807; dabei dienten ihm vor allem
die Kirchenbücher der Gemeinden als Quellen. 1910
erscheint als Fortsetzung "Giesensdorf und Lichterfelde
in der Franzosenzeit".
Im Jahre 1913 konnte das Ehepaar Muhs endlich
das fertiggestellte Pfarrhaus in der Kiesstraße im Herzen des blühenden Villenvororts – zwischen Levkojen- und Georginenrabatten gelegen
– beziehen. Doch blieben weitere, von der Gemeinde und Pfarrer Muhs vorangetriebene
Projekte, wie das (ebenfalls in der Kiesstraße geplante) Gemeindehaus und
die – besonders von Muhs – gewünschte reichere Innenausmalung der Petrus-Kirche
wegen des Kriegsausbruches 1914 unverwirklicht.
Während des I. Weltkrieges war Muhs auch Seelsorger der sich im Felde befi ndenden
Lichterfelder, so entstanden theologische Broschüren und das Werk "Aus
der Heimat für die Heimat" (1915), die als "Liebesgaben für unsere Frontkämpfer"
gedacht waren.
Nach dem Zusammenbruch 1918 kommt 1919 Muhs' Hauptwerk "Lichterfelde
einst und jetzt. Ein Heimatbuch" in kleiner Aufl age und auf schlechtem Papier
gedruckt, heraus. Das Nachwort gibt einen Einblick in eine scheinbar ausweglose
Situation der Umwälzung und des Chaos:
"Das Buch erscheint in dunkler Zeit. Aber es kann und will ein Buch der Aufrichtung
sein. Die Geschichte ist dazu da, daß wir an ihr lernen [...]. So wäre
es mir noch eine besondere Freude, wenn auch die Vertiefung in dieses Büchlein
manchem in der Gemeinde Mut machen würde, mit aller Kraft weiter zu
schaffen unter der Losung: Über Gräber vorwärts einer neuen, großen, lichten
Zukunft entgegen!"
Wenige Jahr später, Mitte der zwanziger Jahre, konnten die ruhenden Projekte
wiederaufgenommen werden: die Petruskirche erhielt endlich die gewünschte, reichere
Ausmalung und auch die Pläne, ein Gemeindehaus zu errichten, wurden in
die Tat umgesetzt. Zwar konnte das Gemeindehaus nicht in der Kiesstraße gebaut
werden, doch bot sich in der Parallelstraße ein ausreichender Bauplatz, so daß
1930 schließlich auch das Gemeindehaus eingeweiht werden konnte.
Nach 37 Jahren Amtszeit in Lichterfelde wurde Pfarrer Muhs 1935 in den Ruhestand
versetzt; für den Lichterfelder Lokalanzeiger schrieb er die Artikelreihen:
"Berlin-Lichterfelde – seine Anlagen und seine Anstalten" und "Aus dem Leben bekannter
Persönlichkeiten in Lichterfelde"; weitere kleinere Publikationen folgten.
Seine Worte, am Schluß seines Heimatbuches "Lichterfelde einst und jetzt" stehend,
können als sein Vermächtnis gelten:
"Ich grüße den, der sich von mir führen ließ. Ich grüße ihn mit großer Freude,
wenn das Empfinden in ihm wach geworden ist: Der Weg, den ich geführt wurde,
lohnte sich. Er darf versichert sein: Ihm ist der Weg leichter geworden als
mir, der ich durch die Arbeit vieler Jahre mir erst den Weg bahnen mußte. Ich
grüße ihn mit dankbarer Genugtuung, wenn auf dieser Wanderung der Wille
in ihm sich gestärkt hat: Ich will nun meine Heimat noch lieber haben."
Am 10.10. 1942 ist Ulrich Muhs gestorben, die Zerstörung großer Teile Lichterfeldes
und der Giesensdorfer Dorfkirche, an der sein Herz besonders hing, hat er nicht
mehr erlebt. Auf dem alten Giesensdorfer Friedhof hat er dann auch, neben seiner
Frau, seine letzte Ruhe gefunden.
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