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22.3.2019

Die Orgel der Petruskirche

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Ein wichtiges Ausstattungsstück in fast jeder größeren Kirche ist sicherlich die Orgel; optisch schon beeindruckend, vermag sie mit ihrem Klang den gesamten Raum zu füllen und hat damit Anteil an der Verkündigung: Was wäre unser Gottesdienst ohne das Spiel der Orgel?

So eröffnet das Orgelspiel meist den Gottesdienst und schafft während des Gottesdienstes die Atmosphäre; daneben hören wir aber auch gerne Orgelkonzerte, die auf interessanten Orgeln gespielt werden. In früheren Zeiten jedoch war dies nicht selbstverständlich, denn erst seit ca. 1850 ist in unserer Region fast jede Kirche mit einer Orgel ausgestattet.

Für den Architekten der Petruskirche, den Regierungsbaumeister Goldbach, war es klar, daß er in seinem Plan einen Platz für die Orgel vorsah; diese Orgel, für die der Berliner Orgelbauer Dinse den Auftrag erhielt, wurde dann auch zur Fertigstellung der Kirche auf der Empore an der Wand in einem Gewölbebogen eingebaut.

Wie damals üblich, schuf Dinse eine Orgel im romantischen Stil mit pneumatischer Traktur, das bedeutet, daß die Übertragung der Tastenbewegung zu den Pfeifen mittels Luftdruck geschieht, wodurch sich die Orgel zwar leicht, allerdings nicht total präzise spielen läßt. Diese Orgel war mit 15 Registern (= 15 verschiedenen, klingenden Stimmen) weniger als halb so groß wie die heutige Orgel.

Am Ende des II. Weltkrieges war die Orgel in der Petruskirche noch vorhanden, doch wurde auch sie wegen des beschädigten Kirchendaches stark in Mitleidenschaft gezogen, einzelne Orgelpfeifen wurden sogar entwendet. Die alte Orgel wurde beim Wiederaufbau leider nicht wieder spielbar gemacht, als Zwischenlösung in der Nachkriegszeit sollte ein elektronisches Instrument dienen. Eine sicherlich ungewöhnliche Entscheidung der fünfziger Jahre, denn schließlich stand die technische Entwicklung solcher Instrumente noch ganz am Beginn.

1967, zwölf Jahre nach der Wiedereinweihung der Petruskirche erhielt die Kirche dann die heutige, von der Firma Walcker angefertigte Orgel: ein großes Instrument mit 35 Registern.

Unsere Walcker-Orgel ist ein Instrument im Stile der Wiederaufbauzeit um 1960, der Aufbau der Orgel ist geprägt vom barocken Orgelbau in Norddeutschland und den norddeutschen Instrumenten aus der Zeit um 1600. Genau wie diese besteht auch unsere Orgel eigentlich aus 4 verschiedenen Orgelwerken, die übereinander und nebeneinander angeordnet sind. Von außen ist dies auch ganz deutlich zu sehen: In der Mitte der Orgel befi nden sich die drei Werke übereinander, die mit den drei Klaviaturen oder Manualen gespielt werden: das wichtigste, kräftigste, auch Hauptwerk genannte, in der Mitte, die weniger kräftigen Werke, als Schwellwerk sowie Positiv bezeichnet, darüber und darunter. Links und rechts außen stehen die sogenannten "Pedaltürme": hier befinden sich die Baßpfeifen, die im Pedal mit den Füßen gespielt werden.

Unsere Orgel besitzt auch einige "romantische Zutaten", das heißt, Spielhilfen, die für den Orgelbau um 1880 typisch sind:

Einen Schweller: ein Teil der Pfeifen steht in einem besonderen Kasten, der nach vorne hin von drehbaren Holzleisten abgeschlossen wird; durch Drehen der Holzleisten kann der Orgelklang stufenlos lauter und leiser werden.

Eine Schwebung: für jeden Ton gibt es zwei Pfeifen, die ein wenig gegeneinander verstimmt sind: so entstehen Töne, die nicht gerade stehen, sondern ständig mit einer Art Vibrato schwingen.

Eine Crescendo-Walze, ein Rad, das mit dem Fuß betätigt wird und nacheinander alle Register der Orgel ein- oder ausschaltet; dies ermöglicht das fast stufenlose allmähliche lauter oder leisere Einstellen des Klanges der Orgel.

Dieses große Instrument konnte man nicht mehr in den Gewölbebogen einbauen, wo die alte Orgel gestanden hatte, und so wurde die neue Orgel auf die Empore gestellt, wodurch die Empore nun allerdings recht schmal geworden ist. Der Balg und der Motor für die Luftversorgung der Orgel sind dagegen am alten Ort aufgestellt worden. Unsere Orgel besitzt aber auch Besonderheiten, die um 1967 durchaus ungewöhnlich gewesen sind:

Dies gilt vor allem für die elektrische Traktur: Dabei ist der Spieltisch nicht, wie sonst üblich, mechanisch mit der Orgel verknüpft, sondern nur durch ein elektrisches Verbindungskabel verbunden. Die Pfeifenventile werden durch Elektromagnete geöffnet, der Luftzug kann, wenn sie geöffnet sind, in die Pfeife strömen und so diese zum Klingen bringen. Gesteuert werden die Magnete vom Spieltisch aus, denn die dort eingebauten Tasten sind eigentlich – wie beim Keyboard auch – elektrische Schalter. Der Spieltisch unserer Orgel läßt sich auf der gesamten Empore hin- und herbewegen.

Unsere Orgel war ursprünglich nach oben hin offen: so scheinen die Pfeifen frei im Raum zu stehen; während die klassische Orgel immer von einem Gehäuse, dem Orgelprospekt – welcher das gesamte Werk aufnimmt – umschlossen wird, ging man bei der Gestaltung unserer Orgel neue Wege: Man wollte das Instrument nicht immer gleich aussehen lassen und so zeigt uns unsere Orgel, wenn wir sie von vorne betrachten auch, was es alles für verschiedene Pfeifenformen und Materialien für den Pfeifenbau gibt: Genau in der Mitte (im Hauptwerk) und seitlich in den Pedaltürmen sieht man die klassischen Prinzipal-Pfeifen, wie sie bei fast jeder Orgel zu sehen sind. Über diesen Pfeifen jedoch (im Schwellwerk) stehen besondere Pfeifen, die zum Register "Gemshorn" gehören: sie sind unten breit und werden nach oben hin immer schmaler. Im untersten Orgelwerk, dem Positiv, stehen die Holzpfeifen vorne. In den Pedaltürmen seitlich sieht man auch noch die Schallbecher der Baß-Posaune, die wegen ihrer Länge die vorn stehenden Pfeifen überragen. Diese Schallbecher sind extra aus Kupfer gefertigt, damit sich ein interessanter Kontrast zu den davor befi ndlichen, normalen Zinnpfeifen ergibt.

All diese Pfeifenformen und Materialien gibt es in anderen Orgeln gleicher Größe normalerweise auch, doch stehen sie im Inneren des Instrumentes, für den normalen Kirchenbesucher unsichtbar.


Orgel während der Neuintonation im Jahr 2000

Im Jahr 2000 wurde die Orgel der Petruskirche von den Orgelbauern Fischaleck und Knaak weitgehend neu intoniert; dabei wurden die vorhandenen Pfeifen genau bearbeitet und ihnen wurde ihr jetziger Klang verliehen. Weiterhin bekam die Orgel ein von vorne nicht sichtbares Dach, das ein wichtiger Schutz gegen den Schmutz ist. Außerdem wurden im Inneren Zwischenwände aus Holz um die einzelnen Werke herum eingebaut, was die Klangmischung innerhalb der Orgel verbesserte.

Durch diese Maßnahmen haben wir eine klanglich fast neue Orgel erhalten, die sowohl mit einem prächtigen Plenumsklang als auch vielen einzelnen, interessant klingenden Registern aufwarten kann.

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