Die Petruskirche
Eine neugotische Hallenkirche aus dem Jahr 1898
Die beiden Dorfkirchen, in der Mitte der alten Dörfer gelegen, genügten bald den
Anforderungen der rasch wachsenden Villenkolonie Groß-Lichterfelde nicht mehr.
Zwar gelang es 1895 dem in Lichterfelde lebenden Architekten Theising, durch
einen Erweiterungsbau an der Dorfkirche Lichterfelde die Zahl der Sitzpätze zu verdoppeln;
doch blieb auch diese Maßnahme nur ein Notbehelf.
Die Neuerrichtung einer – oder wie es bereits der Gründer der Villenkolonie Johann
Anton Wilhelm von Carstenn gefordert hatte – zweier Kirchen, war nicht mehr
zu umgehen. Carstenn hatte im Rezeß von 1877 nochmals seine Auffassung, daß
zwei Kirchen zu errichten seien – die eine davon auf dem Marienplatz – dargelegt.
Doch blieben solche Projekte bei sich widersprechenden Meinungen in der Presse
und den Vereinen bis zum Jahr 1895 unausgeführt.
In diesem Jahr wurde dann, nach längeren Verhandlungen des Gemeindevorstandes
mit den Aufsichtsbehörden, der Beschluß gefaßt, drei Kirchen, die eine im
alten Giesensdorf, die andere im alten Lichterfelde sowie eine dritte im südwestlichen
Ortsteil zu errichten.
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Als erstes sollte die Kirche auf dem Wilhelmplatz – unsere Petruskirche – gebaut
werden. Am 27. Mai des Jahres 1897 – es war ein strahlender Himmelfahrtstag
– fand die feierliche Grundsteinlegung statt. Die verlängerte Wilhelmstraße (heute
Oberhofer Weg) war festlich geschmückt und an der Kreuzung Jägerstraße befand
sich eine blumengeschmückte Ehrenpforte. Auf dem mit Blumen und Girlanden geschmückten
Wilhelmplatz (heute Oberhofer Platz) befanden sich die zwei mit rotem
Stoff verkleideten Tribünen für die Ehrengäste und dreihundert geladenen Festteilnehmer.
Gegen 12 Uhr setzte sich der von der Kapelle der Kadettenanstalt angeführte
Festzug, vom Kranoldplatz kommend, in Bewegung, an dem die verschiedenen
Lichterfelder Vereine und auch die Schulen – die Köpfe der Mädchen mit Kränzen
von Vergißmeinnicht geschmückt – beteiligt waren.
Unter den Klängen des festlichen Marschs aus dem Oratorium "Josua" von Händel
erreichte der Zug den Festplatz, wo die Liedertafel unter Leitung des Herrn
Bläsing dann das "Ehre sei dem Vater" sang, darauf stimmte die Festgemeinde
"Lobe den Herren" an. Pfarrer Stolte sprach die Eingangsliturgie, worauf die Gemeinde
mit einem Liedvers des Liedes "Ein feste Burg ist unser Gott" antwortete.
In der Weiherede sprach Generalsuperintendent Dr. Faber über das Wort "Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis,
sondern wird das Licht des Lebens haben". Darauf folgte der eigentliche Akt der
Grundsteinlegung: Gemeindevorsteher Schulz entnahm einer mit blauem Samt bezogenen
Rolle die Grundsteinlegungsurkunde, deren nachfolgend zitierten Text er
den Anwesenden vorlas:
"Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen!
Nachdem die in den Jahren 1877/ 78 aus den beiden Rittergütern und Dörfern
Lichterfelde und Giesensdorf gebildete Gemeinde Groß-Lichterfelde in raschem
Aufblühen die Seelenzahl von 17 000 überschritten hat und heute schon über 19
000 zählt, hat die baupflichtige politische Gemeinde in ihrer Sitzung vom 21. November 1895
im Einverständnis mit der kirchlichen Gemeindevertretung und unter
Zustimmung der Aufsichtsbehörden beschlossen, bis zum Dezember des Jahres
1900 hier zwei Kirchen zu erbauen, und zwar die erste auf dem Wilhelmplatz an
der Anhalter Eisenbahn mit 600 Sitzplätzen und einem Kostenaufwand von 100
000 in Worten einhunderttausend Mark. Aus dem Wettbewerb um das beste Bauprojekt,
bei welchem das Preisrichteramt folgende Herren ausübten: Geheimer
Regierungsrath von Thiedemann in Potsdam, Professor Hehl in Charlottenburg,
Professor Vollmer in Berlin, Geheimer Baurath Huntemüller in Groß-Lichterfelde,
Regierungs-Baumeister Articus in Groß-Lichterfelde, Wirklicher Geheimer Ober-Regierungsrath Graf Unruh, ebendaselbst, Bürgermeister a.D. Schulz daselbst, ist
der Regierungs-Baumeister Goldbach im Ministerium der öffentlichen Arbeiten als
Sieger hervorgegangen und hat den ersten Preis von 1200 M erhalten. Letzterer
hat die Bauausführung so weit vorbereitet, daß heute am Himmelfahrtstage des
Jahres 1897 nach Christi Geburt, in demselben Jahre in welchem vom ganzen
deutschen Volke die 100jährige Gedächtnisfeier für weiland Kaiser Wilhelm den
Großen begangen ist, die feierliche Grundsteinlegung stattfindet. Möge der Bau
der neuen Kirche, über den Ihre Majestät die Kaiserin und Königin Auguste Viktoria
huldreichst geruht haben, das Ehrenprotektorat zu übernehmen, unter Gottes
Schutz und Segen rüstig fortschreiten und mögen die Glocken zur Ehre seines
heiligen Namens unsere Gemeinde bald in das neue Gotteshaus rufen. So geschehen zu Groß-Lichterfelde, den 27. Mai im neunten Jahr der segensreichen Regierung Kaiser Wilhelm des Zweiten. Der Gemeindevorstand und die Gemeinde-Vertretung;
der Gemeindekirchen-Rath und die kirchliche Gemeindevertretung."
Danach wurde die Rolle mit der
Urkunde in einer Hülse verlötet,
um dann vom Baumeister Böhm
in den ausgehöhlten Grundstein
versenkt zu werden, der daraufhin
verschlossen wurde. Dr. Faber
vollzog die Weihe des Steins, worauf
die üblichen Hammerschläge
der Bauherrn und der Ehrengäste
folgten.
Der Festakt schloß mit der von
Superintendent Lange gehaltenen
Schlußliturgie und dem Gemeindegesang
"Ach bleib mit deinem
Segen". Auf dem Festplatz waren
auch zwei Sammelbüchsen für
Gaben zur Beschaffung der Glocken
aufgestellt.
Am 5. Juli 1897 wurde durch
die Baufirma Mertens mit den
Bauarbeiten begonnen; am 11. Dezember 1898 konnte die fertiggestellte
Kirche dem Patronat
der Kirchengemeinde übergeben
werden, die nach dem Beschluß des Gemeinderates im Oktober 1898 den Namen
Petruskirche erhalten sollte. Für die beiden anderen, noch zu erbauenden Kirchen
wurden die Namen Pauluskirche (auf der Dorfaue) und Johanneskirche (an der
Ringstraße) bestimmt.
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Die festliche Einweihung war für den darauffolgenden Donnerstag, den 15. Dezember,
um 12 Uhr festgelegt. Die Gemeinde hatte fest mit dem Kommen der Kaiserin
gerechnet, doch erfolgte noch im letzten Augenblick eine Absage. An ihrer Stelle
erschienen die Hofdame von Gersdorff und der Kammerherr Graf Keller. Zuvor waren
bereits neben anderen der Kultusminister Dr. Bosse, der Geheime Oberkonsistorialrat
Moeller als Vertreter des Evangelischen Oberkirchenrats, für das Konsistorium
Dr. Faber sowie der Landrat Stubenrauch eingetroffen. Der geplante festliche
Empfang der Ehrengäste vor dem Kirchenportal wurde durch den furchtbaren, über
den Platz brausenden Sturm fast unmöglich gemacht. – Die Begrüßungen wurden
dementsprechend abgekürzt. Ein kleines Mißgeschick ereignete sich, als feierlich die
Kirchentür das erste Mal geöffnet werden sollte. Der Schlüssel, den der Regierungsbaumeister
Goldbach dem Bürgermeister Schulz, dieser dem Vertreter der Kaiserin gereicht hatte und von diesem an Dr. Faber weitergegeben wurde und schließlich
von Pfarrer Stolte in Empfang genommen wurde, ließ sich nicht im Schloß bewegen.
Altar der Petruskirche um 1900
Der Schlüssel war schon ganz verbogen, da stellte sich heraus, daß die Tür gar nicht
verschlossen war. Beim Eintritt der Ehrengäste erklang, durch den Münnich’schen
Gesangverein dargeboten, der 100. Psalm "Jauchzet dem Herrn alle Welt!". Unter
Posaunenbegleitung sang die Gemeinde "Tut mir auf die schöne Pforte". Daran
schloß sich der eigentliche Weiheakt durch Generalsuperintendent Dr. Faber an,
der das an die Gemeinde von Korinth gerichtete Pauluswort "Es hat euch noch keine
denn menschliche Versuchung betreten;
aber Gott ist getreu, der euch nicht
läßt versuchen über euer Vermögen,
sondern macht, daß die Versuchung so
ein Ende gewinne, daß ihr es könnt ertragen"
(1. Kor. 10,13) auslegte. Dieses
Wort hatte auch die Kaiserin Auguste
Viktoria in die von ihr gestiftete, prächtig
gebundene Altarbibel neben einer Widmung
an die Gemeinde eingetragen. (Die Altarbibel und das Abendmahlsgeschirr
sind leider Mitte der 1990 er Jahre
gestohlen worden!) Nach dem eigentlichen
Weiheakt und der von Superintendent
gehaltenen Liturgie folgte die
Predigt Pfarrer Stoltes über Johannes 6,
68-69, das Bekenntnis des Petrus: "Herr
wohin sollen wir gehen? Du hast Worte
des ewigen Lebens; und wir haben geglaubt
und erkannt, daß du bist Christus,
der Sohn des lebendigen Gottes".
Den Gottesdienst schloß Dr. Faber mit
Gebet, Vaterunser und Segen.
Zu viele Lichterfelder hatten zur Feier keinen Einlaß erhalten können und so wurde
am Abend eine zweite Feier, die Nachfeier veranstaltet, um auch ihnen einen
festlichen Eindruck des Tages zu schenken. Der Charakter dieser Veranstaltung war
ebenso wie die offizielle Feier am Vormittag durch die Mitwirkung des Münnich'schen
Gesangverein und den Kinderchor der Dritten Gemeindeschule verschönt. Nach
Pfarrer Steinemann, der über das Wort aus dem 1.Petrusbrief: "Und auch ihr, als die
lebendigen Steine, erbaut euch zum geistlichen Hause" sprach, widmete sich der
Pfarrer der Kadetten-Anstalt Brück den Glocken und ihren Inschriften "Seid fröhlich
in Hoffnung, geduldig in Trübsal, haltet an am Gebet". Anschließend sprachen Pfarrer
Stolte über Altar, Taufstein und Orgel sowie Prediger Muhs über den Schmuck der
Kirche. Die am Ausgang gesammelte Kollekte beider Feiern war für das Geläut der
noch zu erbauenden Pauluskirche auf der alten Dorfaue von Lichterfelde bestimmt.
Glasfenster mit der Darstellung Johannes des Täufers
Viele wichtige Ausstattungsstücke der Petruskirche
wurden von Einwohnern oder Vereinen gestiftet;
so schenkte die Loge "Drei Lichter im Felde" das
dreiteilige Glasfenster links vorne im Kirchenschiff,
Johannes den Täufer zeigend. Das gegenüberliegende,
dreiteilige Fenster mit der Darstellung des
Apostel Paulus stifteten die Mitglieder der politischen
Verbände von Groß-Lichterfelde; dabei verweisen
die beiden Fenster auch auf die noch zu errichtenden
Kirchen von Lichterfelde.
Die Bleiverglasung der Rosette dagegen war ein
Geschenk des Kaiserpaares und stellte den thronenden
Christus im Mittelfeld, umgeben von Engeln
mit den Evangelistensymbolen dar. Im untersten Feld
befanden sich die Wappen der Stifter. Die Evangelisten
selbst waren an den Chorwänden, oberhalb
der reichen neogotischen Malerei, dargestellt. Die
vom Tischlermeister Haak in Berlin angefertigte
Kanzel wurde von den kirchlichen Körperschaften
geschenkt. Die im Festblatt von 1898 abgedruckte
Baubeschreibung beschreibt das Gebäude und seine Ausstattung folgendermaßen:
"Die Anlage zeigt eine einschiffige, vierjochige gewölbte Kirche, mit rechteckig
schließendem Chor und einer gewölbten Orgelempore. Hinter dem Chor liegt in
der Längsaxe die gleichfalls gewölbte Sakristei mit kleiner Vorhalle für den Eingang.
An der Vorderseite der Kirche steht in der Längsaxe der oblonge 60m hohe
Glockenthurm mit der Haupteingangshalle und in Verbindung mit zwei schmalen
Anbauten für die Treppen zur Orgelempore. Außer dem Haupteingange führen
noch 2 Nebeneingänge in das Kirchenschiff, welches 500 Sitzplätze enthält. Die
Orgelempore bietet außerdem noch Raum für 100 Stzplätze.
Im Aeußeren zeigt die Kirche den Ziegelrohbau mit Verwendung von grünen
Glasur – und Formsteinen in Anlehnung an die in der Mark bekannte gothische
Bauweise. Die Dächer sind mit glasirten Falzziegeln gedeckt, welche am Thurmdach
verschiedenfarbige Musterung erhalten haben.
Im Innern zeigen Strebepfeiler, Gurtbögen, Fenster und Thüreinfassungen
Backsteinverblendung; im übrigen sind die Flächen geputzt und mit Malerei in
Caseinfarben versehen, die im Chor in reicherer Weise auftritt. Die Fußböden
in den Gängen und Vorräumen bestehen aus Fliesen, die im Chor ein reicheres
Muster aufweisen; die Sakristei hat eichenen Stabfußboden"(7)
Das insgesamt 1500 Kilogramm wiegende Geläut der Petruskirche, gestimmt auf E,
G und A, sollte jedoch der Gemeinde noch Anlaß zu großer Betrübnis geben. Ebenso
mißfiel der Gemeinde die "zu nüchtern" erscheinende Ausmalung der Kirche.

Innenansicht der Petruskirche um 1900
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Während des I. Weltkrieges wurden im Deutschen Reich die Rohstoffe knapp und an
der Wende des Jahres 1916 auf 1917 litt die Bevölkerung vielerorts Hunger. Die Wirtschaft
war, bis auf die Rüstungsindustrie, aufgrund fehlender Rohstoffe und fehlender
Arbeitskräfte nahezu zusammengebrochen. Vor allem Buntmetalle wie Kupfer, Blei, Zink
und Zinn fehlten; aber auch Metallegierungen wie Bronze und Messing wurden vor
allem durch die Rüstungsindustrie gebraucht.
Als sich der Mangel immer mehr verschärfte, wurde die Abgabe aller, nicht historisch
bedeutsamen Kirchenglocken aus Bronze verfügt. So mußten auch die beiden großen
Glocken der Petruskirche abgegeben werden, um sie für Munitionszwecke einzuschmelzen.
Am Abend des 28. Juni 1917, um 20 Uhr, fand ein feierlicher Gottesdienst statt,
bei dem von den Glocken Abschied genommen wurde. Die Kirche war übervoll und
die Anwesenden tiefbewegt. Pfarrer Muhs, der den Gottesdienst hielt, sprach über die
Inschrift der Glocken, diese mit der schweren Zeit des Krieges verknüpfend: "Seid fröhlich
in Hoffnung, geduldig in Trübsal, haltet an am Gebet."
Nach dem Gottesdienst läuteten die Glocken nochmals längere Zeit zum Abschied.
Es gab wohl auch Gemeindeglieder, die es sich nicht nehmen ließen, in den Turm hinaufzusteigen,
um dort von den Glocken Abschied zu nehmen.
Am nächsten Morgen wurden die Glocken, noch im Turm befindlich, mit schweren
Hämmern zerschlagen. Jeder tönende Schlag der schweren Hämmer auf den zerspringenden Glocken muß auch für die Gemeinde ein schwerer und schmerzender
Schlag gewesen sein. Lediglich die kleinste Glocke blieb der Gemeinde. Erst fünf
Jahre später, am Himmelfahrtstage 1922, lud wieder ein volles Glockengeläut vom
Turm der Petruskirche zum Gottesdienst. Längere Zeit waren Pläne, neue Glocken
anzuschaffen, erörtert worden und man hatte mit der Neuanschaffung gezögert,
weil die Entschädigungszahlung für die abgelieferten Bronzeglocken nicht für den
Kauf eines neuen Geläutes gereicht hätte.
Auf der ersten Gemeindeversammlung des Jahres 1922 wurden jedoch alle Bedenken
beseite geschoben; Rektor Rogatz hielt eine flammende Rede mit dem Inhalt:
Der glockenlose Zustand sei unserer Gemeinde unwürdig, wir müssen neue
Glocken haben. Nicht nur die Anwesenden waren überzeugt, auch die kirchlichen
Vertretungen sprachen sich für eine Neuanschaffung von Glocken aus: So konnten
drei Gußstahlglocken bei der Glockengießerei Schilling in Apolda bestellt werden.
Die im Turm verbliebene Bronzeglocke wurde verkauft und der Erlös zur Bezahlung
des Kaufpreises verwandt. Die recht bald fertiggestellten Glocken wurden von außen
durch ein vergrößertes Fenster in den Turm hinaufgezogen. Die von Pfarrer
Muhs für die neuen Glocken gewählten Inschriften sollten bezug auf den Krieg und
seine Opfer nehmen: so erhielt die größte Glocke, die auch den Gefallenen des
Krieges gewidmet sein sollte, die Inschrift: "Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir
die Krone des Lebens geben"( Off. Joh. 2,10). Die beiden anderen Glocken bekamen
Inschriften aus dem 2. Korintherbrief und dem Psalter, die auch als Spiegel der
damaligen Situation gesehen werden können: "Wir werden unterdrückt, aber wir
kommen nicht um" (2. Kor. 4,9) und
"Dem Gerechten muß das Licht immer
wieder aufgehen" (Ps. 97, 11).
Am Himmelfahrtstag wurden die
Glocken unter reger Anteilnahme der
Gemeinde geweiht. Pfarrer Muhs,
der in der Weiherede die Inschriften
der Glocken mit Gedanken zum
Himmelfahrtstag verband segnete
die Glocken, die daraufhin zu läuten
begannen.
Einige Jahre später, 1925/26 konnte
die spätestens seit 1921 geplante,
"würdigere Ausgestaltung" der Petruskirche,
die eine Neuausmalung
durch Prof. Oetken vorsah, begonnen
und mit der Weihe am 14. März
1926 abgeschlossen werden. 1926
erhielt die Petruskirche eine zweite
Pfarrstelle, die 1927 Pfarrer von Lutzki
besetzt wurde.
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Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 sollte sich auch das kirchliche
Leben ändern: Die der NSDAP nahestehende Gruppierung "Deutsche Christen"
forderte, auch in der Kirche das Führerprizip einzuführen und einen "Reichsbischof"
einzusetzten. Aus der Oppostionsbewegung entwickelte sich die Bekennende Kirche.
In Lichterfelde gehörten acht von zehn Pfarrer zur Bekennenden
Kirche; auch die beiden Pfarrer der Petruskirche,
Pfarrer Muhs und Pfarrer von Lutzki betätigten sich dort. 1937
wurde als Nachfolger von Pfarrer Muhs der Lic. Baltzer berufen,
der als Pfarrer in Magdeburg Mitglied des Bruderrats,
des Leitungsgremiums der Bekennenden Kirche, war; bei
Kriegsbeginn wurde er eingezogen.
Pfarrer von Lutzki wurde
nach vielen Anfeindungen am 20. Januar 1942 verhaftet und
zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt, die er in Tegel verbüßte.
Aus Tegel schreibt er im Advent 1942:
"Das ist die seltsamste Adventszeit, die ich bisher erlebt habe. Über mir im bibliothekssaal
des Gefängnisses schwebt eine Lampe, aber um den Rand ihres
Schirmes zieht sich das schöne schwarz-weiße Transparent mit den Versen: 'Seid
unverzagt, ihr habet die Hilfe vor der Tür' und mit zwei sinnigen Kreuz-Symbolen,
und dahinter leuchtet das Adventssternchen, auf dessen Rückseite steht: 'Er hat
mich gesandt, zu verkünden den Gefangenen die Freiheit (Jes .61,1). Was Gefangenschaft
und was Freiheit ist, muß man an sich selbst erlebt haben, um die
Größe und Tiefe der Verheißung dieses Adventsspruches zu verstehen; Das Kind,
dem alle Engel dienen‚ bringt Licht in alle Dunkelheit und Trost und Frieden in
alle Zellen, hinter alle Schlösser und Riegel, und – wer wäre nicht irgendwie Gefangener,
Unfreier, Gehemmter? Den Gefangenen Freiheit verkündigen
mein Gott, welche Sprache ist das nun für mich, der. im Laufe eines Jahres vier
Gefängnisse 'bevölkern' half. Aber werden wir nicht sentimental. Ich habe viel
gelernt in diesem Jahr! Viel ist mir wieder die Bibel geworden, soweit das noch
nötig war! [...]
Ich hoffe, daß Gott der Herr mir noch irgend eine Aufgabe stellt. Nun, und wenn
nicht – dann mag's bleiben: Es ist der Herr, er tue wie ihm wohlgefällt. Nur bereit
halte ich mich weiter für ihn! [...] Er führt uns manchmal so unbegreifl ich; bocken
wir nicht auf, wenn die Richtung einmal wechselt, und wenn er uns weiterzieht,
falls wir zu lange nur an den bunten Schaufenstern des Lebens verweilen oder uns
auf den Spielplatz verdrücken wollen. Er führt uns an den Arbeitsplatz! So fasse
ich's nun auch auf. Alle Arbeit ist schön. Schließlich auch hier die meine! –
Natürlich, man nimmt lieber ein Netz aus der Hand unsers Herrn.
Aber er sagt uns sicher auch mal: von nun an ....!
So sprach er zu seinem Petrus. [...] Er schenke uns im neuen Jahr neues Glauben,
Lieben, Hoffen, neues Wirken und Schaffen in seinem wunderbaren Reich!"
So fanden zwischen 1942 und 1945 keine geregelten Gottesdienste in der Petruskirche
statt,seit 1942 diente das Gebäude zudem als Möbellager für Ausgebombte.
Anfang 1944 wurde das Dach der Kirche bei einem Fliegerangriff durch Bomben
beschädigt, und in der Folgezeit durch Dienststellen der NSDAP zur Materialgewinnung
freigegeben.
An die enge Verbindung zur Bekennenden Kirche erinnert
das noch heute im Kirchenschiff aufgehängte Petrusmosaik, das von der Bekennenden Kirche unserer Gemeinde Anfang
der 1940er Jahre geschenkt wurde.
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Blick vom Pfarrhaus in der Kiesstraße auf die Petruskirche nach 1945
Nach dem Kriegsende war
die Petruskirche in einem traurigen
Zustand; das Dach über
dem Kirchenschiff war nahezu
vollständig abgedeckt und
auch die prächtigen bleiverglasten
Fenster gab es nicht
mehr. So war der Innenraum
den Unbilden der Witterung
ausgesetzt. Die Reparatur
des Daches war die vordringlichste
Aufgabe; am 14. Oktober
1947 fand zum Besten
des Kirchendaches der Petruskirche
ein Konzert im nur
leicht beschädigten Gemeindehaus
statt. Im Jahr darauf
gelang es dann, die Dächer
neu decken zu lassen, so daß
nun keine Feuchtigkeit mehr
in das Mauerwerk der Kirche
eindringen konnte. Danach
wurden die Glocken – unter
reger Beteiligung der Jungen
Gemeinde – wieder instand
gesetzt, so daß nun auch wieder
die Glocken zu dem im
Gemeindehaus stattfindenden Gottesdienst luden.
Über 200 beschädigte oder zerstörte Gotteshäuser gab es 1950 in Berlin; die
meisten Gemeinden konnten jedoch ihre zerstörte Kirche nicht aus eigenen Miterschieteln
wieder aufbauen, und so wurden
Anfang der 1950er Jahre regelmäßig
im Advent Sammlungen für das Wiederaufbauwerk
durchgeführt.
Seit dem
1. Oktober 1954 war die Petrus-Gemeinde
selbstständig und die ehemals
bestehende Lichterfelder Großgemeinde
aufgelöst. Eine der ersten Taten
des neuen Gemeindekirchenrats der
Petrus-Gemeinde war die Schaffung
eines Kirchbauvereins. Diesem Verein,
der die begonnenen Baumaßnahmen
unterstützen sollte, konnte man – so
verkündete es auch das am Turm der
Kirche angebrachte Bauschild – durch
Anmeldung nach den Gottesdiensten
oder in der Küsterei, die damals in der
Parallelstraße 29 beheimatet war, beitreten.
Im Frühjahr 1955 wurde dann
schließlich mit der Wiederherstellung
des Kirchenraums begonnen; dabei
wurde die Kirche nach Plänen des Kirchenbaurates
Wendland umgestaltet.
So wurden die beschädigten, alten
Ausstattungsstücke wie Altar, Kanzel,
Taufstein und Orgel nicht wiederhergestellt;
auch die durch Feuchtigkeit
beschädigten Wandmalereinen wurden
nicht restauriert.
Dem Geschmack der Zeit folgend,
wurde die ursprüngliche Wandgliederung
geändert, die Kapitelle der Pfeiler
vereinfacht und die Rosette der Chorwand
vermauert. Die Wände wurden
anschließend weiß getüncht. Das Gestühl
und die Kanzel mit Schalldeckel
wurden aus getöntem Nadelholz in
zeittypischen Formen angefertigt. Auch
die Backsteinbrüstung der Empore verschwand
hinter einer, der Kanzel ähnelnden
Verkleidung aus Holz.
v. links: Superintendent Tecklenburg,
Bischof Otto Debilius, Pfr. Lic. Martin Baltzer
Besonders
stolz war die Gemeinde jedoch auf die eingebauten Neuerungen der Technik, wie
die neue elektrische Infrarotheizung und die
Elektronenorgel. Vor allem die neuartige Heizung
hatte es den Pressevertretern angetan;
so wird die Wirkungsweise der Heizanlage
ausführlicher beschrieben als der eigentliche
Festakt vom 11. Dezember 1955. An diesem
Tag, dem dritten Adventssonntag des Jahres
1955, fand die feierliche Wiedereinweihung
der Petruskirche statt. Die Kirche war bis auf
den letzten Platz besetzt, als Pfarrer Lic. Baltzer,
Superintendent Tecklenburg und Bischof
Dibelius die Kirche betraten. Die Ehrengäste,
der Bischof und der Gemeindekirchenrat
hatten im Chor ihre Plätze erhalten. Nach der
Eingangsliturgie führte Bischof Dibelius in seiner
Weiherede auch aus, daß ihn diese erneute
Weihe der Petruskirche besonders berühre,
da er bereits als Gymnasiast an der Einweihung
1898 teilgenommen habe. Bundespräsident Heuss, der lange in Lichterfelde
gewoht hatte, stiftete eine von ihm gewidmete Altarbibel.
Die Einweihungsfeier wurde durch den Gesang des Chores der Gemeinde unter
der Leitung von Christel Dibelius umrahmt.
Die Elektronenorgel, ein orgelähnlich klingendes Instrument, erwies sich bald als
unzureichend; mit dem dem Erwerb und Einbau der Walcker-Orgel wurde 1967 der
Wiederaufbau endgültig abgeschlossen.

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Am Anfang des Jahres 1978 wurde von Pfarrer Reisert angenommen, daß der
Erhalt der Kirche und die Finanzierung der laufenden Kosten die Gemeinde vor
immer größere Probleme stellen würde. Vor allem die Orgel, 1967 für 170 000
DM angeschafft, bereitete Probleme. Zukunftsängste prägten den 80. Jahrestag
der Einweihung der Petruskirche; dem Festgottesdienst im Dezember 1978 schloß
sich eine Gemeindeversammlung an, auf der über die Zukunft des Baues auf dem
Oberhofer Platz beraten werden sollte. Einige Stimmen aus der Gemeinde forderten
die Schließung andere eine intensivere Nutzung der Kirche. Mit dem Vorschlag
einer intensiveren Nutzung eng verbunden war die Suche nach neuen Nutzungkonzepten,
die eine Öffnung des Kirchenraums auch für nicht primär kirchliche Zwecke
bedeutete. Auf Basaren und auf Festen "Rund um die Petruskirche" wurden dann
in den folgenden Jahren ehebliche
Mittel gesammelt, die für einen sich
abzeichnenden Umbau der Kirche
genutzt werden sollten. Mit dem
Verkauf eines Teiles des Pfarrgartens
wurden die restlichen Mittel erlöst,
so daß im Frühjahr 1981 mit dem
Umbaumaßnahmen begonnen
werden konnte.
Der von Pfr. Reisert
initierte und von der Architektengemeinschaft
Gies, Rau und Wuttig
durchgeführte Umbau sah dabei vor
allem der Einbau einer neuen, leistungsfähigen
Heizungsanlage, die
Abteilung der Empore als Winterkirche
und der Einbau von Toiletten im
Turm als vordringliche Ziele an. Daneben wurden aber auch einige Umbauten von
1954/55 beseitigt: so verschwand die Verkleidung der Emporenbrüstung ebenso
wie die Kirchenbänke. Die von vielen erhoffte Wiederherstellung der vermauerten
Rosette unterblieb jedoch.
Vor dem Umbau war bereits mit dem Experiment, die Kirche zu bestimmten Zeiten
zu öffnen und Kaffee und Tee, Gebäck und belegte Brötchen anzubieten, begonnen
worden. Die "Offene Kirche" war geboren. Ebenso hatte sich der Versuch, die
Wände des Kirchenschiffes für Kunstausstellungen zu nutzen, bewährt; die Wände
des Kirchenschiffes erhielten daher beim Umbau beleuchtete Galerieschienen. Die
durch Glastüren abgeteilte Empore, als "Winterkirche" bezeichnet und genutzt, erhielt
überdies einen Küchentresen, der sich mit wenigen Handgriffen zusammenschieben
läßt.
Am dritten Advent 1981 konnte die umgebaute Kirche wiedereingeweiht werden;
seitdem ist die Petruskirche als Ort zahlreicher Kulturveranstaltungen und Konzerte
über die Grenzen Lichterfeldes hinaus bekannt geworden.
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- Die Petruskirche (Geschichte der Gemeinde)
- Die Orgel der Petruskirche (Geschichte der Gemeinde)
- Die Pfarrer der Kirchen (Geschichte der Gemeinde)
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- Wir haben einen Dach-Schaden... (Gemeindebrief, April 2006)
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- Der Durchbruch ist geschafft: Die Petruskirche erhält ihre Rosette zurück – Bilder (Gemeindebrief, Oktober 2006)
- Der Durchbruch ist geschafft: Die Petruskirche erhält ihre Rosette zurück (Gemeindebrief, Oktober 2006)
- Der Chorinnenraum der Petruskirche einst und jetzt (Gemeindebrief, Oktober 2009)
- Baustelle Petruskirche (Gemeindebrief, Mai 2010)
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