ev. Kirchengemeinde Petrus-Giesensdorf

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22.7.2019

Die Petruskirche
Eine neugotische Hallenkirche aus dem Jahr 1898

Eine neue Kirche für Lichterfelde

Die beiden Dorfkirchen, in der Mitte der alten Dörfer gelegen, genügten bald den Anforderungen der rasch wachsenden Villenkolonie Groß-Lichterfelde nicht mehr.

Zwar gelang es 1895 dem in Lichterfelde lebenden Architekten Theising, durch einen Erweiterungsbau an der Dorfkirche Lichterfelde die Zahl der Sitzpätze zu verdoppeln; doch blieb auch diese Maßnahme nur ein Notbehelf.

Die Neuerrichtung einer – oder wie es bereits der Gründer der Villenkolonie Johann Anton Wilhelm von Carstenn gefordert hatte – zweier Kirchen, war nicht mehr zu umgehen. Carstenn hatte im Rezeß von 1877 nochmals seine Auffassung, daß zwei Kirchen zu errichten seien – die eine davon auf dem Marienplatz – dargelegt.

Doch blieben solche Projekte bei sich widersprechenden Meinungen in der Presse und den Vereinen bis zum Jahr 1895 unausgeführt.

In diesem Jahr wurde dann, nach längeren Verhandlungen des Gemeindevorstandes mit den Aufsichtsbehörden, der Beschluß gefaßt, drei Kirchen, die eine im alten Giesensdorf, die andere im alten Lichterfelde sowie eine dritte im südwestlichen Ortsteil zu errichten.

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Die Grundsteinlegung

Als erstes sollte die Kirche auf dem Wilhelmplatz – unsere Petruskirche – gebaut werden. Am 27. Mai des Jahres 1897 – es war ein strahlender Himmelfahrtstag – fand die feierliche Grundsteinlegung statt. Die verlängerte Wilhelmstraße (heute Oberhofer Weg) war festlich geschmückt und an der Kreuzung Jägerstraße befand sich eine blumengeschmückte Ehrenpforte. Auf dem mit Blumen und Girlanden geschmückten Wilhelmplatz (heute Oberhofer Platz) befanden sich die zwei mit rotem Stoff verkleideten Tribünen für die Ehrengäste und dreihundert geladenen Festteilnehmer.

Gegen 12 Uhr setzte sich der von der Kapelle der Kadettenanstalt angeführte Festzug, vom Kranoldplatz kommend, in Bewegung, an dem die verschiedenen Lichterfelder Vereine und auch die Schulen – die Köpfe der Mädchen mit Kränzen von Vergißmeinnicht geschmückt – beteiligt waren.

Unter den Klängen des festlichen Marschs aus dem Oratorium "Josua" von Händel erreichte der Zug den Festplatz, wo die Liedertafel unter Leitung des Herrn Bläsing dann das "Ehre sei dem Vater" sang, darauf stimmte die Festgemeinde "Lobe den Herren" an. Pfarrer Stolte sprach die Eingangsliturgie, worauf die Gemeinde mit einem Liedvers des Liedes "Ein feste Burg ist unser Gott" antwortete.

In der Weiherede sprach Generalsuperintendent Dr. Faber über das Wort "Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben".

Darauf folgte der eigentliche Akt der Grundsteinlegung: Gemeindevorsteher Schulz entnahm einer mit blauem Samt bezogenen Rolle die Grundsteinlegungsurkunde, deren nachfolgend zitierten Text er den Anwesenden vorlas:

"Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen!
Nachdem die in den Jahren 1877/ 78 aus den beiden Rittergütern und Dörfern Lichterfelde und Giesensdorf gebildete Gemeinde Groß-Lichterfelde in raschem Aufblühen die Seelenzahl von 17 000 überschritten hat und heute schon über 19 000 zählt, hat die baupflichtige politische Gemeinde in ihrer Sitzung vom 21. November 1895 im Einverständnis mit der kirchlichen Gemeindevertretung und unter Zustimmung der Aufsichtsbehörden beschlossen, bis zum Dezember des Jahres 1900 hier zwei Kirchen zu erbauen, und zwar die erste auf dem Wilhelmplatz an der Anhalter Eisenbahn mit 600 Sitzplätzen und einem Kostenaufwand von 100 000 in Worten einhunderttausend Mark.
Aus dem Wettbewerb um das beste Bauprojekt, bei welchem das Preisrichteramt folgende Herren ausübten: Geheimer Regierungsrath von Thiedemann in Potsdam, Professor Hehl in Charlottenburg, Professor Vollmer in Berlin, Geheimer Baurath Huntemüller in Groß-Lichterfelde, Regierungs-Baumeister Articus in Groß-Lichterfelde, Wirklicher Geheimer Ober-Regierungsrath Graf Unruh, ebendaselbst, Bürgermeister a.D. Schulz daselbst, ist der Regierungs-Baumeister Goldbach im Ministerium der öffentlichen Arbeiten als Sieger hervorgegangen und hat den ersten Preis von 1200 M erhalten. Letzterer hat die Bauausführung so weit vorbereitet, daß heute am Himmelfahrtstage des Jahres 1897 nach Christi Geburt, in demselben Jahre in welchem vom ganzen deutschen Volke die 100jährige Gedächtnisfeier für weiland Kaiser Wilhelm den Großen begangen ist, die feierliche Grundsteinlegung stattfindet.
Möge der Bau der neuen Kirche, über den Ihre Majestät die Kaiserin und Königin Auguste Viktoria huldreichst geruht haben, das Ehrenprotektorat zu übernehmen, unter Gottes Schutz und Segen rüstig fortschreiten und mögen die Glocken zur Ehre seines heiligen Namens unsere Gemeinde bald in das neue Gotteshaus rufen.
So geschehen zu Groß-Lichterfelde, den 27. Mai im neunten Jahr der segensreichen Regierung Kaiser Wilhelm des Zweiten.
Der Gemeindevorstand und die Gemeinde-Vertretung; der Gemeindekirchen-Rath und die kirchliche Gemeindevertretung."

Danach wurde die Rolle mit der Urkunde in einer Hülse verlötet, um dann vom Baumeister Böhm in den ausgehöhlten Grundstein versenkt zu werden, der daraufhin verschlossen wurde. Dr. Faber vollzog die Weihe des Steins, worauf die üblichen Hammerschläge der Bauherrn und der Ehrengäste folgten.

Der Festakt schloß mit der von Superintendent Lange gehaltenen Schlußliturgie und dem Gemeindegesang "Ach bleib mit deinem Segen". Auf dem Festplatz waren auch zwei Sammelbüchsen für Gaben zur Beschaffung der Glocken aufgestellt.

Am 5. Juli 1897 wurde durch die Baufirma Mertens mit den Bauarbeiten begonnen; am 11. Dezember 1898 konnte die fertiggestellte Kirche dem Patronat der Kirchengemeinde übergeben werden, die nach dem Beschluß des Gemeinderates im Oktober 1898 den Namen Petruskirche erhalten sollte.

Für die beiden anderen, noch zu erbauenden Kirchen wurden die Namen Pauluskirche (auf der Dorfaue) und Johanneskirche (an der Ringstraße) bestimmt.

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Die Einweihung der Petruskirche

Die festliche Einweihung war für den darauffolgenden Donnerstag, den 15. Dezember, um 12 Uhr festgelegt.

Die Gemeinde hatte fest mit dem Kommen der Kaiserin gerechnet, doch erfolgte noch im letzten Augenblick eine Absage. An ihrer Stelle erschienen die Hofdame von Gersdorff und der Kammerherr Graf Keller. Zuvor waren bereits neben anderen der Kultusminister Dr. Bosse, der Geheime Oberkonsistorialrat Moeller als Vertreter des Evangelischen Oberkirchenrats, für das Konsistorium Dr. Faber sowie der Landrat Stubenrauch eingetroffen. Der geplante festliche Empfang der Ehrengäste vor dem Kirchenportal wurde durch den furchtbaren, über den Platz brausenden Sturm fast unmöglich gemacht. – Die Begrüßungen wurden dementsprechend abgekürzt. Ein kleines Mißgeschick ereignete sich, als feierlich die Kirchentür das erste Mal geöffnet werden sollte. Der Schlüssel, den der Regierungsbaumeister Goldbach dem Bürgermeister Schulz, dieser dem Vertreter der Kaiserin gereicht hatte und von diesem an Dr. Faber weitergegeben wurde und schließlich von Pfarrer Stolte in Empfang genommen wurde, ließ sich nicht im Schloß bewegen.


Altar der Petruskirche um 1900

Der Schlüssel war schon ganz verbogen, da stellte sich heraus, daß die Tür gar nicht verschlossen war. Beim Eintritt der Ehrengäste erklang, durch den Münnich’schen Gesangverein dargeboten, der 100. Psalm "Jauchzet dem Herrn alle Welt!". Unter Posaunenbegleitung sang die Gemeinde "Tut mir auf die schöne Pforte". Daran schloß sich der eigentliche Weiheakt durch Generalsuperintendent Dr. Faber an, der das an die Gemeinde von Korinth gerichtete Pauluswort "Es hat euch noch keine denn menschliche Versuchung betreten; aber Gott ist getreu, der euch nicht läßt versuchen über euer Vermögen, sondern macht, daß die Versuchung so ein Ende gewinne, daß ihr es könnt ertragen" (1. Kor. 10,13) auslegte. Dieses Wort hatte auch die Kaiserin Auguste Viktoria in die von ihr gestiftete, prächtig gebundene Altarbibel neben einer Widmung an die Gemeinde eingetragen. (Die Altarbibel und das Abendmahlsgeschirr sind leider Mitte der 1990 er Jahre gestohlen worden!)

Nach dem eigentlichen Weiheakt und der von Superintendent gehaltenen Liturgie folgte die Predigt Pfarrer Stoltes über Johannes 6, 68-69, das Bekenntnis des Petrus: "Herr wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens; und wir haben geglaubt und erkannt, daß du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes".

Den Gottesdienst schloß Dr. Faber mit Gebet, Vaterunser und Segen.

Zu viele Lichterfelder hatten zur Feier keinen Einlaß erhalten können und so wurde am Abend eine zweite Feier, die Nachfeier veranstaltet, um auch ihnen einen festlichen Eindruck des Tages zu schenken. Der Charakter dieser Veranstaltung war ebenso wie die offizielle Feier am Vormittag durch die Mitwirkung des Münnich'schen Gesangverein und den Kinderchor der Dritten Gemeindeschule verschönt.
Nach Pfarrer Steinemann, der über das Wort aus dem 1.Petrusbrief: "Und auch ihr, als die lebendigen Steine, erbaut euch zum geistlichen Hause" sprach, widmete sich der Pfarrer der Kadetten-Anstalt Brück den Glocken und ihren Inschriften "Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, haltet an am Gebet". Anschließend sprachen Pfarrer Stolte über Altar, Taufstein und Orgel sowie Prediger Muhs über den Schmuck der Kirche. Die am Ausgang gesammelte Kollekte beider Feiern war für das Geläut der noch zu erbauenden Pauluskirche auf der alten Dorfaue von Lichterfelde bestimmt.


Glasfenster mit der Darstellung Johannes des Täufers

Viele wichtige Ausstattungsstücke der Petruskirche wurden von Einwohnern oder Vereinen gestiftet; so schenkte die Loge "Drei Lichter im Felde" das dreiteilige Glasfenster links vorne im Kirchenschiff, Johannes den Täufer zeigend. Das gegenüberliegende, dreiteilige Fenster mit der Darstellung des Apostel Paulus stifteten die Mitglieder der politischen Verbände von Groß-Lichterfelde; dabei verweisen die beiden Fenster auch auf die noch zu errichtenden Kirchen von Lichterfelde.

Die Bleiverglasung der Rosette dagegen war ein Geschenk des Kaiserpaares und stellte den thronenden Christus im Mittelfeld, umgeben von Engeln mit den Evangelistensymbolen dar. Im untersten Feld befanden sich die Wappen der Stifter. Die Evangelisten selbst waren an den Chorwänden, oberhalb der reichen neogotischen Malerei, dargestellt. Die vom Tischlermeister Haak in Berlin angefertigte Kanzel wurde von den kirchlichen Körperschaften geschenkt. Die im Festblatt von 1898 abgedruckte Baubeschreibung beschreibt das Gebäude und seine Ausstattung folgendermaßen: "Die Anlage zeigt eine einschiffige, vierjochige gewölbte Kirche, mit rechteckig schließendem Chor und einer gewölbten Orgelempore. Hinter dem Chor liegt in der Längsaxe die gleichfalls gewölbte Sakristei mit kleiner Vorhalle für den Eingang.

An der Vorderseite der Kirche steht in der Längsaxe der oblonge 60m hohe Glockenthurm mit der Haupteingangshalle und in Verbindung mit zwei schmalen Anbauten für die Treppen zur Orgelempore. Außer dem Haupteingange führen noch 2 Nebeneingänge in das Kirchenschiff, welches 500 Sitzplätze enthält. Die Orgelempore bietet außerdem noch Raum für 100 Stzplätze.

Im Aeußeren zeigt die Kirche den Ziegelrohbau mit Verwendung von grünen Glasur – und Formsteinen in Anlehnung an die in der Mark bekannte gothische Bauweise. Die Dächer sind mit glasirten Falzziegeln gedeckt, welche am Thurmdach verschiedenfarbige Musterung erhalten haben.

Im Innern zeigen Strebepfeiler, Gurtbögen, Fenster und Thüreinfassungen Backsteinverblendung; im übrigen sind die Flächen geputzt und mit Malerei in Caseinfarben versehen, die im Chor in reicherer Weise auftritt. Die Fußböden in den Gängen und Vorräumen bestehen aus Fliesen, die im Chor ein reicheres Muster aufweisen; die Sakristei hat eichenen Stabfußboden"(7) Das insgesamt 1500 Kilogramm wiegende Geläut der Petruskirche, gestimmt auf E, G und A, sollte jedoch der Gemeinde noch Anlaß zu großer Betrübnis geben. Ebenso mißfiel der Gemeinde die "zu nüchtern" erscheinende Ausmalung der Kirche.


Innenansicht der Petruskirche um 1900

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Die Abgabe der Glocken 1917

Während des I. Weltkrieges wurden im Deutschen Reich die Rohstoffe knapp und an der Wende des Jahres 1916 auf 1917 litt die Bevölkerung vielerorts Hunger. Die Wirtschaft war, bis auf die Rüstungsindustrie, aufgrund fehlender Rohstoffe und fehlender Arbeitskräfte nahezu zusammengebrochen. Vor allem Buntmetalle wie Kupfer, Blei, Zink und Zinn fehlten; aber auch Metallegierungen wie Bronze und Messing wurden vor allem durch die Rüstungsindustrie gebraucht.

Als sich der Mangel immer mehr verschärfte, wurde die Abgabe aller, nicht historisch bedeutsamen Kirchenglocken aus Bronze verfügt. So mußten auch die beiden großen Glocken der Petruskirche abgegeben werden, um sie für Munitionszwecke einzuschmelzen.

Am Abend des 28. Juni 1917, um 20 Uhr, fand ein feierlicher Gottesdienst statt, bei dem von den Glocken Abschied genommen wurde. Die Kirche war übervoll und die Anwesenden tiefbewegt. Pfarrer Muhs, der den Gottesdienst hielt, sprach über die Inschrift der Glocken, diese mit der schweren Zeit des Krieges verknüpfend: "Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, haltet an am Gebet." Nach dem Gottesdienst läuteten die Glocken nochmals längere Zeit zum Abschied.

Es gab wohl auch Gemeindeglieder, die es sich nicht nehmen ließen, in den Turm hinaufzusteigen, um dort von den Glocken Abschied zu nehmen.

Am nächsten Morgen wurden die Glocken, noch im Turm befindlich, mit schweren Hämmern zerschlagen. Jeder tönende Schlag der schweren Hämmer auf den zerspringenden Glocken muß auch für die Gemeinde ein schwerer und schmerzender Schlag gewesen sein. Lediglich die kleinste Glocke blieb der Gemeinde. Erst fünf Jahre später, am Himmelfahrtstage 1922, lud wieder ein volles Glockengeläut vom Turm der Petruskirche zum Gottesdienst. Längere Zeit waren Pläne, neue Glocken anzuschaffen, erörtert worden und man hatte mit der Neuanschaffung gezögert, weil die Entschädigungszahlung für die abgelieferten Bronzeglocken nicht für den Kauf eines neuen Geläutes gereicht hätte.

Auf der ersten Gemeindeversammlung des Jahres 1922 wurden jedoch alle Bedenken beseite geschoben; Rektor Rogatz hielt eine flammende Rede mit dem Inhalt: Der glockenlose Zustand sei unserer Gemeinde unwürdig, wir müssen neue Glocken haben. Nicht nur die Anwesenden waren überzeugt, auch die kirchlichen Vertretungen sprachen sich für eine Neuanschaffung von Glocken aus: So konnten drei Gußstahlglocken bei der Glockengießerei Schilling in Apolda bestellt werden.

Die im Turm verbliebene Bronzeglocke wurde verkauft und der Erlös zur Bezahlung des Kaufpreises verwandt. Die recht bald fertiggestellten Glocken wurden von außen durch ein vergrößertes Fenster in den Turm hinaufgezogen. Die von Pfarrer Muhs für die neuen Glocken gewählten Inschriften sollten bezug auf den Krieg und seine Opfer nehmen: so erhielt die größte Glocke, die auch den Gefallenen des Krieges gewidmet sein sollte, die Inschrift: "Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben"( Off. Joh. 2,10). Die beiden anderen Glocken bekamen Inschriften aus dem 2. Korintherbrief und dem Psalter, die auch als Spiegel der damaligen Situation gesehen werden können: "Wir werden unterdrückt, aber wir kommen nicht um" (2. Kor. 4,9) und "Dem Gerechten muß das Licht immer wieder aufgehen" (Ps. 97, 11).

Am Himmelfahrtstag wurden die Glocken unter reger Anteilnahme der Gemeinde geweiht. Pfarrer Muhs, der in der Weiherede die Inschriften der Glocken mit Gedanken zum Himmelfahrtstag verband segnete die Glocken, die daraufhin zu läuten begannen.

Einige Jahre später, 1925/26 konnte die spätestens seit 1921 geplante, "würdigere Ausgestaltung" der Petruskirche, die eine Neuausmalung durch Prof. Oetken vorsah, begonnen und mit der Weihe am 14. März 1926 abgeschlossen werden. 1926 erhielt die Petruskirche eine zweite Pfarrstelle, die 1927 Pfarrer von Lutzki besetzt wurde.

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Aus dunkler Zeit

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 sollte sich auch das kirchliche Leben ändern: Die der NSDAP nahestehende Gruppierung "Deutsche Christen" forderte, auch in der Kirche das Führerprizip einzuführen und einen "Reichsbischof" einzusetzten. Aus der Oppostionsbewegung entwickelte sich die Bekennende Kirche.

In Lichterfelde gehörten acht von zehn Pfarrer zur Bekennenden Kirche; auch die beiden Pfarrer der Petruskirche, Pfarrer Muhs und Pfarrer von Lutzki betätigten sich dort. 1937 wurde als Nachfolger von Pfarrer Muhs der Lic. Baltzer berufen, der als Pfarrer in Magdeburg Mitglied des Bruderrats, des Leitungsgremiums der Bekennenden Kirche, war; bei Kriegsbeginn wurde er eingezogen.

Pfarrer von Lutzki wurde nach vielen Anfeindungen am 20. Januar 1942 verhaftet und zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt, die er in Tegel verbüßte.

Aus Tegel schreibt er im Advent 1942:

"Das ist die seltsamste Adventszeit, die ich bisher erlebt habe. Über mir im bibliothekssaal des Gefängnisses schwebt eine Lampe, aber um den Rand ihres Schirmes zieht sich das schöne schwarz-weiße Transparent mit den Versen: 'Seid unverzagt, ihr habet die Hilfe vor der Tür' und mit zwei sinnigen Kreuz-Symbolen, und dahinter leuchtet das Adventssternchen, auf dessen Rückseite steht: 'Er hat mich gesandt, zu verkünden den Gefangenen die Freiheit (Jes .61,1). Was Gefangenschaft und was Freiheit ist, muß man an sich selbst erlebt haben, um die Größe und Tiefe der Verheißung dieses Adventsspruches zu verstehen; Das Kind, dem alle Engel dienen‚ bringt Licht in alle Dunkelheit und Trost und Frieden in alle Zellen, hinter alle Schlösser und Riegel, und – wer wäre nicht irgendwie Gefangener, Unfreier, Gehemmter? Den Gefangenen Freiheit verkündigen mein Gott, welche Sprache ist das nun für mich, der. im Laufe eines Jahres vier Gefängnisse 'bevölkern' half. Aber werden wir nicht sentimental. Ich habe viel gelernt in diesem Jahr! Viel ist mir wieder die Bibel geworden, soweit das noch nötig war! [...]
Ich hoffe, daß Gott der Herr mir noch irgend eine Aufgabe stellt. Nun, und wenn nicht – dann mag's bleiben: Es ist der Herr, er tue wie ihm wohlgefällt. Nur bereit halte ich mich weiter für ihn! [...] Er führt uns manchmal so unbegreifl ich; bocken wir nicht auf, wenn die Richtung einmal wechselt, und wenn er uns weiterzieht, falls wir zu lange nur an den bunten Schaufenstern des Lebens verweilen oder uns auf den Spielplatz verdrücken wollen. Er führt uns an den Arbeitsplatz! So fasse ich's nun auch auf. Alle Arbeit ist schön. Schließlich auch hier die meine! – Natürlich, man nimmt lieber ein Netz aus der Hand unsers Herrn.
Aber er sagt uns sicher auch mal: von nun an ....!
So sprach er zu seinem Petrus. [...] Er schenke uns im neuen Jahr neues Glauben, Lieben, Hoffen, neues Wirken und Schaffen in seinem wunderbaren Reich!"

So fanden zwischen 1942 und 1945 keine geregelten Gottesdienste in der Petruskirche statt,seit 1942 diente das Gebäude zudem als Möbellager für Ausgebombte.

Anfang 1944 wurde das Dach der Kirche bei einem Fliegerangriff durch Bomben beschädigt, und in der Folgezeit durch Dienststellen der NSDAP zur Materialgewinnung freigegeben.

An die enge Verbindung zur Bekennenden Kirche erinnert das noch heute im Kirchenschiff aufgehängte Petrusmosaik, das von der Bekennenden Kirche unserer Gemeinde Anfang der 1940er Jahre geschenkt wurde.

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Wiederaufbau und Einweihung


Blick vom Pfarrhaus in der Kiesstraße auf die Petruskirche nach 1945

Nach dem Kriegsende war die Petruskirche in einem traurigen Zustand; das Dach über dem Kirchenschiff war nahezu vollständig abgedeckt und auch die prächtigen bleiverglasten Fenster gab es nicht mehr. So war der Innenraum den Unbilden der Witterung ausgesetzt. Die Reparatur des Daches war die vordringlichste Aufgabe; am 14. Oktober 1947 fand zum Besten des Kirchendaches der Petruskirche ein Konzert im nur leicht beschädigten Gemeindehaus statt. Im Jahr darauf gelang es dann, die Dächer neu decken zu lassen, so daß nun keine Feuchtigkeit mehr in das Mauerwerk der Kirche eindringen konnte. Danach wurden die Glocken – unter reger Beteiligung der Jungen Gemeinde – wieder instand gesetzt, so daß nun auch wieder die Glocken zu dem im Gemeindehaus stattfindenden Gottesdienst luden.

Über 200 beschädigte oder zerstörte Gotteshäuser gab es 1950 in Berlin; die meisten Gemeinden konnten jedoch ihre zerstörte Kirche nicht aus eigenen Miterschieteln wieder aufbauen, und so wurden Anfang der 1950er Jahre regelmäßig im Advent Sammlungen für das Wiederaufbauwerk durchgeführt.

Seit dem 1. Oktober 1954 war die Petrus-Gemeinde selbstständig und die ehemals bestehende Lichterfelder Großgemeinde aufgelöst. Eine der ersten Taten des neuen Gemeindekirchenrats der Petrus-Gemeinde war die Schaffung eines Kirchbauvereins. Diesem Verein, der die begonnenen Baumaßnahmen unterstützen sollte, konnte man – so verkündete es auch das am Turm der Kirche angebrachte Bauschild – durch Anmeldung nach den Gottesdiensten oder in der Küsterei, die damals in der Parallelstraße 29 beheimatet war, beitreten.

Im Frühjahr 1955 wurde dann schließlich mit der Wiederherstellung des Kirchenraums begonnen; dabei wurde die Kirche nach Plänen des Kirchenbaurates Wendland umgestaltet.

So wurden die beschädigten, alten Ausstattungsstücke wie Altar, Kanzel, Taufstein und Orgel nicht wiederhergestellt; auch die durch Feuchtigkeit beschädigten Wandmalereinen wurden nicht restauriert.

Dem Geschmack der Zeit folgend, wurde die ursprüngliche Wandgliederung geändert, die Kapitelle der Pfeiler vereinfacht und die Rosette der Chorwand vermauert. Die Wände wurden anschließend weiß getüncht. Das Gestühl und die Kanzel mit Schalldeckel wurden aus getöntem Nadelholz in zeittypischen Formen angefertigt. Auch die Backsteinbrüstung der Empore verschwand hinter einer, der Kanzel ähnelnden Verkleidung aus Holz.


v. links: Superintendent Tecklenburg, Bischof Otto Debilius, Pfr. Lic. Martin Baltzer

Besonders stolz war die Gemeinde jedoch auf die eingebauten Neuerungen der Technik, wie die neue elektrische Infrarotheizung und die Elektronenorgel. Vor allem die neuartige Heizung hatte es den Pressevertretern angetan; so wird die Wirkungsweise der Heizanlage ausführlicher beschrieben als der eigentliche Festakt vom 11. Dezember 1955.

An diesem Tag, dem dritten Adventssonntag des Jahres 1955, fand die feierliche Wiedereinweihung der Petruskirche statt. Die Kirche war bis auf den letzten Platz besetzt, als Pfarrer Lic. Baltzer, Superintendent Tecklenburg und Bischof Dibelius die Kirche betraten. Die Ehrengäste, der Bischof und der Gemeindekirchenrat hatten im Chor ihre Plätze erhalten. Nach der Eingangsliturgie führte Bischof Dibelius in seiner Weiherede auch aus, daß ihn diese erneute Weihe der Petruskirche besonders berühre, da er bereits als Gymnasiast an der Einweihung 1898 teilgenommen habe. Bundespräsident Heuss, der lange in Lichterfelde gewoht hatte, stiftete eine von ihm gewidmete Altarbibel.

Die Einweihungsfeier wurde durch den Gesang des Chores der Gemeinde unter der Leitung von Christel Dibelius umrahmt.

Die Elektronenorgel, ein orgelähnlich klingendes Instrument, erwies sich bald als unzureichend; mit dem dem Erwerb und Einbau der Walcker-Orgel wurde 1967 der Wiederaufbau endgültig abgeschlossen.

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Die Petruskirche seit dem Umbau 1981

Am Anfang des Jahres 1978 wurde von Pfarrer Reisert angenommen, daß der Erhalt der Kirche und die Finanzierung der laufenden Kosten die Gemeinde vor immer größere Probleme stellen würde. Vor allem die Orgel, 1967 für 170 000 DM angeschafft, bereitete Probleme.

Zukunftsängste prägten den 80. Jahrestag der Einweihung der Petruskirche; dem Festgottesdienst im Dezember 1978 schloß sich eine Gemeindeversammlung an, auf der über die Zukunft des Baues auf dem Oberhofer Platz beraten werden sollte. Einige Stimmen aus der Gemeinde forderten die Schließung andere eine intensivere Nutzung der Kirche.
Mit dem Vorschlag einer intensiveren Nutzung eng verbunden war die Suche nach neuen Nutzungkonzepten, die eine Öffnung des Kirchenraums auch für nicht primär kirchliche Zwecke bedeutete. Auf Basaren und auf Festen "Rund um die Petruskirche" wurden dann in den folgenden Jahren ehebliche Mittel gesammelt, die für einen sich abzeichnenden Umbau der Kirche genutzt werden sollten. Mit dem Verkauf eines Teiles des Pfarrgartens wurden die restlichen Mittel erlöst, so daß im Frühjahr 1981 mit dem Umbaumaßnahmen begonnen werden konnte.

Der von Pfr. Reisert initierte und von der Architektengemeinschaft Gies, Rau und Wuttig durchgeführte Umbau sah dabei vor allem der Einbau einer neuen, leistungsfähigen Heizungsanlage, die Abteilung der Empore als Winterkirche und der Einbau von Toiletten im Turm als vordringliche Ziele an. Daneben wurden aber auch einige Umbauten von 1954/55 beseitigt: so verschwand die Verkleidung der Emporenbrüstung ebenso wie die Kirchenbänke. Die von vielen erhoffte Wiederherstellung der vermauerten Rosette unterblieb jedoch.

Vor dem Umbau war bereits mit dem Experiment, die Kirche zu bestimmten Zeiten zu öffnen und Kaffee und Tee, Gebäck und belegte Brötchen anzubieten, begonnen worden. Die "Offene Kirche" war geboren.

Ebenso hatte sich der Versuch, die Wände des Kirchenschiffes für Kunstausstellungen zu nutzen, bewährt; die Wände des Kirchenschiffes erhielten daher beim Umbau beleuchtete Galerieschienen. Die durch Glastüren abgeteilte Empore, als "Winterkirche" bezeichnet und genutzt, erhielt überdies einen Küchentresen, der sich mit wenigen Handgriffen zusammenschieben läßt.

Am dritten Advent 1981 konnte die umgebaute Kirche wiedereingeweiht werden; seitdem ist die Petruskirche als Ort zahlreicher Kulturveranstaltungen und Konzerte über die Grenzen Lichterfeldes hinaus bekannt geworden.

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